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Kaffee und Kaffeehaus

De l'audioguide Luxus. Die Lust am Überfluss

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Luxus. Die Lust am Überfluss
17 Stations
35:44 min Audio
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Kaffee und Kaffeehaus

Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts kannten nur wenige Europäer*innen außerhalb des
Osmanischen Reiches Kaffee. Vermutlich bereitete man ihn um 1575 erstmals in Venedig
zu. Von dort aus eroberte das Getränk Italien und schließlich ganz Europa.
Wien spielte dabei eine besondere Rolle. Dort verfeinerte man Kaffee mit Milch. Nach den
braunen Gewändern der Kapuzinermönche benannt, entstand so der Vorläufer des
heutigen Cappuccinos.
Als das Osmanische Reich gegen Ende des 17. Jahrhunderts den Export von
Kaffeebohnen untersagte, suchten die europäischen Kolonialmächte nach neuen
Anbaugebieten. Zunächst stammte der Kaffee meist aus der niederländischen Kolonie
Java im heutigen Indonesien. Später verlagerte sich der Anbau in die Karibik. Diese
Ausweitung der Plantagenwirtschaft hatte die Rodung großer Waldflächen und die
Zerstörung der dortigen Ökosysteme zur Folge. Gleichzeitig beruhte die Produktion auf
Sklaven- und später auf ähnlich menschenunwürdiger Kontraktarbeit.
Ab dem 17. Jahrhundert entwickelte sich in Europa eine rege Kaffeehauskultur. Koloniale
Waren wie Kaffee, Schokolade, Tee und Zucker konsumierte man nun gemeinsam an
einem Ort. Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür ist das 1908 entstandene Café Riquet in
Leipzig, welches die Verbindung zum Orientalismus exemplarisch deutlich macht. Es ging
aus dem 1745 als Kolonialwarenhandel gegründeten Unternehmen Riquet & Co. hervor
und entstand 1908 nach Plänen des Architekten Paul Lange. Der Bau verbindet
Jugendstil-Motive mit Elementen ostasiatischer Baukunst und verweist damit visuell auf
das globale Handelsnetz. Auch Werbematerialien der Marke Riquet griffen diese
Bildsprache auf: Europäische Fantasiewelten kombinierte man mit stereotypen
Darstellungen Ostasiens. Der Kaffeegenuss war um 1900 kaum von kolonialen
Handelsnetzwerken und exotisierenden Vorstellungen zu trennen.


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