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Zucker 

De l'audioguide Luxus. Die Lust am Überfluss

  • Guide des musées
Luxus. Die Lust am Überfluss
17 Stations
35:44 min Audio
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Zucker 

Zucker, einst ein seltenes Luxusgut, ist heute ein alltägliches Lebensmittel. Erst in der
frühen Neuzeit stieg der Zuckerkonsum rasant an. Im 19. Jahrhundert wurde Zucker durch
die wachsende Produktion für immer mehr Menschen erschwinglich – allein zwischen
1840 und 1940 vergrößerte sie sich um das 25-Fache. Dazu trugen beliebte neue
Heißgetränke wie Kaffee, Tee und Kakao bei.
Zunächst bezog Europa seinen Zucker aus Madeira. Später verlagerten die europäischen
Kolonialmächte den Zuckerrohranbau im großen Stil nach Süd- und Mittelamerika sowie
in die Karibik. Nach der erfolgreichen Haitianischen Revolution unter Toussaint
Louverture wurden viele Plantagen nach Kuba und Louisiana verlegt. Von Beginn an
beruhte der Anbau auf Ausbeutung: Im transatlantischen Dreieckshandel wurden bis weit
ins 19. Jahrhundert hinein Millionen Menschen aus Westafrika zur Sklavenarbeit
gezwungen.
Insbesondere die Niederlande spielten seit dem 16. Jahrhundert eine Schlüsselrolle in
der globalen Zuckerwirtschaft. Ab 1610 entwickelte sich Amsterdam zum zentralen
Handelsplatz für Zucker in Europa.
Die hier gezeigten Fotografien dokumentieren die harten Arbeitsbedingungen auf den
Zuckerplantagen und in den Raffinerien der ehemaligen niederländischen Kolonien
Indonesien und Surinam. Sie entstanden nach der offiziellen Abschaffung der Sklaverei.
Nach deren Ende ersetzten zunehmend Kontraktarbeiter*innen die versklavten
Arbeitskräfte. Diese warb man häufig unter falschen Versprechen an und band sie durch
langfristige Verträge.
Die Künstlerin Natasja Sadi stammt aus Surinam und kam im Alter von vier Jahren in die
Niederlande. Ihre Arbeiten setzen sich mit der Geschichte ihrer indonesischen und
afrikanischen Vorfahren auseinander, die auf den Zuckerplantagen Surinams arbeiten
mussten. Sie fertigt in ihrem Amsterdamer Atelier filigrane Blumen aus Zucker und
arrangiert sie zu Stillleben, die an die barocke Malerei erinnern.
Blumen stellten in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts begehrte Luxusgüter dar.
Hinter der Schönheit von Sadis Zuckerblumen verbirgt sich somit ein Verweis auf die
Geschichte des Zuckers, die Ausbeutung und die koloniale Gewalt, auf der das vielfach
glorifizierte „Goldene Zeitalter“ beruhte.


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